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Rosa Hasen am laufenhden Band
MQ Site Magazine November-December 2005
text: Nina Schedlmayer Die russisch-amerikanische Kunstlerin Alina Bliumis arbeitet derzeit auf Einladung des Vereins culture2culture als Artist in Residence im MuseumsQuartier an ihrem Video "Cloning Factory". Dieses erzahlt von verrŸckten Wissenschaftern, die statt Playboy-Bunnies rosa Hasen produzieren Fruher hat das WŸnschen noch geholfen. Ganz fruher, sagen wir, als Ovid seine Metamorphosen geschrieben hat. Da baute sich etwa ein frustrierter Junggeselle seine Wunschfrau selbst Ð freilich, etwas ruhig und blass war die Skulptur aus Elfenbein schon. Gšttin Venus eilte dem unglŸcklich in sein Geschšpf Verliebten zu Hilfe und hauchte der steinernen Lady Leben ein. Und so konnte der ubergluckliche Pygmalion seine zukunftige Frau in die Arme schliesen. So etwas €hnliches ertrŠumen sich die Wissenschafter im Video der russisch-amerikanischen Kunstlerin Alina Bliumis, das diese derzeit gemeinsam mit ihrem Mann Jeff als Artist in Residence im MuseumsQuartier produziert. In ihrer "Cloning Factory"- so auch der Titel der Arbeit - wollen sie ein perfektes weibliches Sexobjekt herstellen. Blšderweise unterlauft ihnen ein Fehler, und statt allzeit bereiten Playboy-Bunnies springen plotzlich lauter rosarote Hasen aus ihren Maschinen. Die haben tierischen Spa miteinander, die Mšchtegern-Pygmalions allerdings bringen sich aus Frust gegenseitig um. Leider ist auch den Hasen kein langes Leben beschieden. Am Schluss rudert der letzte von ihnen in einem Boot auf einem einsamen See. Er wird neuerlich die Maschinen in der Klonfabrik anwerfen. Was dann allerdings geschieht, lasst das Video offen. Heiter und witzig kommt diese Geschichte daher - und erzŠhlt viel Ÿber falsche Erwartungen und EnttŠuschungen, Geschlechterverhaltnisse, die auf den Kopf gestellt werden und eine fatale Frankenstein'sche Sehnsucht, welche die Menschheit seit jeher beschaftigt. Nicht das erste Mal setzt sich die 1972 in Minsk geborene Kunstlerin mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Erst vor kurzem hat sie zum Beispiel, ebenfalls mit ihrem Mann Jeff Bliumis, im italienischen Como Planen als "Shelter for Migrants" aufgespannt. In anderen BandGemeinschaftsarbeiten thematisieren sie das VerhŠltnis zwischen Russland und den USA. Alina Bliumis ist aber auch fasziniert von der Stadt und ihren Bewohnern Ð wie sich in ihrem Animationsfilm "Pink and Pong" zeigt: Da spaziert ein Madchen zwischen Hauserschluchten herum, auf der Suche nach etwas, von dem es nicht wei§, was es ist. Nach New York ist Bliumis im Alter von 23 Jahren gezogen, studierte dort auf der School of Visual Arts - nachdem sie bereits die Kunstschule von Minsk absolviert hatte. Wirklich verlassen hat sie ihr Herkunftsland nie: "Ich vergleiche standig die amerikanische Kultur mit der russischen. Wenn etwas in New York passiert, dann uberlege ich, wie es wohl wŠre, wenn dasselbe in Russland geschehen wurde, und umgekehrt."
Gutes Beispiel dafur: Emanzipation. "In der fruheren Sowjetunion wurde nie vermittelt, dass Frauen weniger wert wŠren als Manner. Schlieblich gingen sie genauso arbeiten und waren nie ausschlieblich fur Kinderbetreuung und Haushalt zustŠndig', erzahlt die lebhafte Kunstlerin, "naturlich unterstutze ich amerikanische Feministinnen - aber vieles von dem, was sie heute fordern, war fŸr mich von Kindheit an selbstverstandlich."Vielleicht geht Bliumis auch aus diesem Grund unvermittelt und unkompliziert, witzig und locker an die Dinge heran. Dass sie am Anfang eines Projekts manchmal keine Vorstellung davon hat, wie das Endprodukt aussehen wird, gehšrt dabei zum Konzept. "Ich mšchte nicht einfach einem Stil folgen, sondern experimentieren', insistiert sie. Von rosa Hasen ist sie dabei allerdings, im Gegensatz zu den Reserve-Frankensteins in ihrer "Cloning Factory", noch nie ŸberwŠltigt worden.
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